Porträt von Esther Dischereit

Esther Dischereit, 1952 in Heppen­heim geboren, ist eine deutsch-jüdische Schrift­stellerin, die in ihren Werken vor allem die Assimilation der Juden in Deutschland thematisiert. Dischereit arbeitete in der Metall­industrie und als Setzerin, bevor sie 1985 publizistisch als Schrift­stellerin und Journalistin tätig wurde. Heute lebt sie als freie Schrift­stellerin in Berlin.

Mit „Joëmis Tisch: Eine jüdische Geschichte“ und „Übungen, jüdisch zu sein“ wurde sie eine der wichtigsten literarischen Stimmen unter den Nachkommen der Shoa-Überlebenden in Deutschland. 2009 erhielt sie den Erich-Fried-Preis. Als Professorin lehrte sie an der Universität für angewandte Kunst in Wien, 2019 als DAAD Chair in Contemporary ­Poetics an der New York University.

Vor den hohen Feiertagen
gab es ein Flüstern und Rascheln im Haus

Eine Frau setzt sich an das Piano, eine rote Tasche wird zum Bahnhof gebracht, Alfred war Schützenkönig und jemand fragt, wo Matzen bestellt werden können.

Die renommierte deutsch-jüdische Schriftstellerin Esther Dischereit erzählt in „Vor den Hohen Feiertagen gab es ein Flüstern und Rascheln im Haus“ in Text- und Klangzeichen vom jüdischen Leben, das vielleicht stattgefunden hat oder stattgefunden haben könnte oder stattfinden würde…

Ihre seit 2008 auf dem Eichengrün-Platz der nordrheinwestfälischen Stadt Dülmen in Zusammenarbeit mit dem Wiener Komponisten Dieter Kaufmann installierten Klangzeichen sind Splitter aus dem Leben der Juden (und Nicht-Juden) an diesem Ort – unvollständige Erinnerungsstücke, die von den Spuren der Zeit und des Vergangenen gekennzeichnet sind.

Das Thema des Verschwindens, das diesen Erinnerungsdiskurs kennzeichnet, wurde in der Gestaltung des Buches durch Veruschka Goetz aufgegriffen.

AvivA, 2009

Sometimes
a Single Leaf

Ob Lyrik, Prosa, Hörspiel oder Klanginstallationen – Esther Dischereits Werk stellt eine einzigartige Neuausrichtung der zeitgenössischen europäischen Literatur dar: eine unverwechselbare, unkonventionelle Sprache, die die deutsch-jüdische Verbundenheit mit dem zerrissenen Bewusstsein und der tief verwurzelten Kulturlandschaft des heutigen Deutschlands widerspiegelt. „Sometimes a Single Leaf“ zeichnet die Entwicklung von Esther Dischereits Lyrik über drei Jahrzehnte nach und enthält Auszüge aus drei ihrer Bücher sowie eine Auswahl neuerer, bisher unveröffentlichter Gedichte. Es ist ihr erster Gedichtband in englischer Übersetzung.

Arc Publications, 2020

Rauhreifiger Mund
oder andere Nachrichten

Das Buch versammelt über 50 Gedichte der Autorin Esther Dischereit, die die Themen Winter, Liebe, Alltag umkreisen.

Vorwerk 8, 2001

Quando il mio Golem
mi aprì la porta

FinisTerrae, 2023

Im Toaster steckt
eine Scheibe Brot

Esther Dischereits neuer Gedichtband führt uns einmal mehr ins Entlegene, auf Abwege, auf denen kaum Tritt zu fassen ist. Ihre auf den ersten Blick ebenso beiläufigen wie handfesten Skizzen scheinbar ganz normaler Alltagseindrücke entpuppen sich bald schockhaft als ein Wust aus zerrissenen Ariadnefäden, die verlässlich auf schwankenden Boden leiten.

Das fahle Dämmern, das nachts in die gute Stube fällt, ruft die grundlose Leere der Zimmerfluchten im magischen Realismus Hammershøis vor Augen. In dieser Öde balanciert die filigrane Lyrik Esther Dischereits zwischen verängstigten Lupinen und verdorbenen Schalen mit traumwandlerischer Sicherheit ins Nirgendwo, so dass alles Selbstverständliche verweht und das Bizarrste sich als unumstößliche Regel aufspielt.

Mit leichter Hand enthüllt die Lyrikerin uns für Augenblicke Dinge, die wir nie zuvor gesehen haben. Syntaktische cutouts unterbrechen das Flüstern der Liebenden, der Alp der völkischen Bedrohung schiebt sich grinsend vor die Hoffnung auf die Zuneigung der Rehe: „Die Bäume haben die schwarze Uniform / angelegt und wollen nicht schweigen“: Das Urvertrauen in die Beseeltheit der Natur bricht ein, wenn am Strand von Plötzensee die Gespenster der Gehängten sich unter die Badegäste mischen: „Wir glauben an die Aufmerksamkeit der ID Karte“. Esther Dischereits Gedichte sind keine Lektüre für Minuten. (Roman Gleissner)

Vorwerk 8, 2006

Ich möchte, dass es
mich etwas angeht

Ausschnitt von: Ich möchte, dass es mich etwas angeht

Zum Internationalen Holocaust-Gedenktag entwickelten Studierende der Universität für angewandte Kunst Wien Texte und Aktionen. Wer findet in ihren Schreib-Räumen Platz? Gelegentlich scheint es, als würde sich die Sprache selbst gegen das Näherkommen sperren.

Die Arbeiten sind Ausdruck eines Zwiespalts, in dem Erinnerung zwar geteilt werden soll, aber offen bleibt, mit wem. Postmemory oder Post-Oblivion? Die Aussparung wird selbst zum Thema; Wörter werden hin- und her-gedreht, und Bedeutungen heraus- und nachgelesen. Die vierte Generation sucht so nach Erinnerungen.

De Gruyter, 2015

Als mir mein Golem öffnete

Stutz, K, 1996

Merryn

Merryn

„Merryn“ – ein Entwicklungsroman in Fragmenten. Mit sechzehn läuft das jüdische Mädchen von zu Hause weg. Über eine Berg­arbeiter­kneipe in Lothringen und eine Druckerlehre in Hessen führen Merryns Fluchten schließlich nach Berlin, von wo die Großeltern ins KZ transportiert worden sind. Die Berührungen mit Familie, mit Staat und Gesellschaft werden von ihr als gewaltsam und gewalttätig erfahren. Das Verhältnis zu Männern stigmatisiert ihre Entwicklung. „So lag sie in der Berührung wie sprödes Holz und splitterte dabei.“

Suhrkamp, 1992, 2021

Joëmis Tisch
Eine jüdische Geschichte

Widerstrebend und spät bekennt sich eine Frau dazu, Jüdin zu sein. Damit beginnt Joëmis Tisch. Diese neu- und wiedergewonnene Identität vermittelt in die eigene Gegenwart und Vergangenheit die Schatten der Mutter und deren Verfolgungsgeschichte. Von den Spuren des Vergangenen wird die Frau eingeholt. Auch in die Wahrnehmung anderer Völker, insbesondere der arabischen Kultur in Nordafrika, drängt sich für sie immer wieder die Frage nach den dortigen Formen des Lebens und Überlebens der Juden. Ihr verletztes Selbst- und Rechtsgefühl reagiert empfindlich auf Anzeichen von Intoleranz, Ungerechtigkeit und Rassenhass.

Wie sieht diese Frau als deutsche Jüdin Deutschland, Israel, Palästina? Erfahrungen auf diesem Weg zu einer Standortbestimmung geben den Szenen des Buchs die Richtung.

Suhrkamp, 1988

Havel, Hunde, Katzen, Tulpen:
Garz erzählt

Junge Autorinnen und Autoren reisten in das Dorf Garz an der Havel, schrieben mit und schrieben auf: über den Schleusenwärter, über dicke Fische in der Kühltruhe, über den Traum einer jungen Kellnerin. Russen und Polen, Nachkrieg, DDR und die Zeit nach 1989 und darüber, wie das Dorf die Ärmel aufkrempelt. Ein kleiner Ort mit 145 Seelen, nordwestlich von Berlin gelegen. Aus vielen, sehr unterschiedlichen Momentaufnahmen und Porträts ist ein lebendiges Bild entstanden – Garz erzählt.

Mitteldeutscher Verlag, 2016

Großgesichtiges Kind
The Child With the Big Face

In einer Anstalt lief ein Kind auf Gängen und Treppen umher, es streifte an Gittern und Geländern vorbei. Das Gebäude verschluckte die Geräusche, die es verursachte, genauso wie das Schreien der Irren oder das Knarren altge-wordenen Linoleums. Manche Plätze sollte das Kind meiden. Später, als Erwachsene, wird sie wieder in einer Klinik sein; jetzt als Patientin, Krebspatientin. Sie beobachtet das Vorfahren von Bestattungswagen. Es ist eilig, dass sie das Gelände wieder verlassen, sagt der Pförtner. Er wird sich um die Ausgabe der Fahrräder später kümmern.

Esther Dischereits Erzählung beschreibt eine Welt der Anstalten; nach den Nazijahren; zum Fürchten. Und wohl zum Fürchten war auch der Radiodieb, der in der Anstalt über das Kind zu wachen hatte. Dabei liebte das Kind den Kindermann. Jahre später weiß es die Frau ganz genau.

De Gruyter, 2014

Ein Haufen Dollarscheine

Die Frau mit dem blumengemusterten Kleid erhebt sich endlich aus ihrem Bett. In der Hitze des Zimmers bleibt ihre Vergangenheit wie in Schwaden stehen: die Vergangenheit eines versteckten jüdischen Kindes. „Immer wieder taucht jemand auf und soll zu uns gehören“, murmelt ihre Schwester. Der Thanksgiving-Truthahn in Chicago verschluckt das Schwarze Amen ihres Mannes, der für die Kinder Palästinas um Frieden betet, während am anderen Ende des Tisches mit einem weißen Amen eine Danksagung an den amerikanischen Präsidenten gesprochen wird.

Der nunmehr jüdisch-orthodox bekennende Sohn nennt seine Mutter Closet-Jew. Gojische Partner*innen der zweitverheirateten Überlebenden eignen sich deren „Wiedergutmachung“ an, und schließlich weigert sich auch der russische Rabbiner, das Vorkriegsgrab von Berlin-Weißensee zurückzugeben. Traurig, empörend, unerhört und, wenn die Tante sich die klebrigen Kekse aus der Flughafenlounge in die Tasche stopft, auch komisch, wie Filmschnitte aus einem nicht geplanten Drehbuch.

Maro, 2024

Der Morgen an dem
der Zeitungsträger

Wenn sie auch abwesend und unerfüllt sind, so beherrschen sie dennoch den Körper, das Leben, den Rhythmus: Leidenschaft und Liebe. Sie stehen hinter der Tür, die eine Frau schließt, werden ausgesperrt wie zugelaufene Köter. Was bleibt, ist die einzelne, die in der Welt steht wie unzugehörig. Eine, die sich wundert, wie Kinder oder Fremde sich wundern. Gewaltphantasien beherrschen die Frau in Der Morgen an dem der Zeitungsträger. Sie inszeniert sich Tag für Tag als weißen wartenden Körper. Wartend wie eine Spinne. Hier wie in den weiteren Erzählungen liegen Traum und Albtraum dicht beieinander.

Esther Dischereit hat sich in Prozesse hineingeschrieben, Geschichten, die unvermittelt anfangen und die aufhören, ohne einen Schluß zu haben. Es sind Verweigerungen, die ihre Geschichten so lebendig wie irritierend machen.

Suhrkamp, 2007

Blumen für Otello:
Klagelieder

Schüsse. Morde. In Serie. So klar, so brutal, so systematisch und so eiskalt.

Die Ermittlungsmaschinerie beginnt zu laufen, doch sie scheitert, weil sie keineswegs so vorbehaltlos rational funktioniert wie sie es von sich behauptet. Zeichen werden missachtet, Hinweise falsch gedeutet, Akten vernichtet, es kann nicht sein, es darf nicht sein.

Flowers for Otello

Einfühlsam und mit großer poetischer Kraft ermittelt Esther Dischereit in ihren „Klageliedern“, was die Verbrechen des National­sozialistischen Untergrunds (NSU) angerichtet, welche Lücken sie bei den Hinterbliebenen aufgerissen haben. Sie ermittelt mit ihrem Opernlibretto „Blumen für Otello“, welche Vorurteile die Verbrechen möglich und ihre Aufklärung unmöglich gemacht haben, wie der Rassismus und die soziale Voreingenommenheit gegenüber einer stigmatisierten Unterschicht den Apparat blind und ihn umso furchtbarer selbst zum Täter gemacht hat, indem er nach Schuld bei denjenigen sucht, die mit ihrem Leben bezahlen mussten.

Mit der Shakespeare-Figur des Otello, der als erfahrenes Opfer des Mobs im Gespräch mit dem ermordeten türkischen Blumenhändler Licht in das bringt, was geschehen ist, führt Dischereit uns handgreiflich und zugleich theatralisch vor Augen, wie das Fremde erniedrigt, bekämpft, ausgestossen wird – gestern und heute. Ihre Texte sind Teil einer Trauerarbeit unserer Gesellschaft und der Versuch, die Sprachlosigkeit zu überwinden angesichts der Grausamkeit der Taten und der im Versagen offensichtlich werdenden Vorurteile deutscher Behörden.

Die Klagelieder und das Opernlibretto erscheinen in einer aufwändig gestalteten deutsch-türkischen Ausgabe. Ort und Termin der Uraufführung sind noch offen.

Secession Verlag für Literatur, 2014

Anna macht Frühstück

mit Bildern von Cornelia von Seidlein
dtv Verlagsgesellschaft, 1985

Hab keine Angst, erzähl alles!
Das Attentat von Halle
und die Stimmen der Überlebenden

Zahlreiche Überlebende und Angehörige der Opfer der Mordanschläge von Halle am 9. Oktober 2019 wollen sich mit diesem Buch Gehör verschaffen. Während des Prozesses haben sich viele Betroffene und ihre Anwälte zu Wort gemeldet und in bewegenden, außergewöhnlichen Texten und Reden ihrem Schmerz und ihrem Zorn Ausdruck verliehen; und sie fragen nach Solidarität und Zusammenhalt in einer vielfältigen Gesellschaft.

Eine Auswahl dieser und weiterer Texte hat Esther Dischereit in Zusammenarbeit mit den Autorinnen und Autoren zusammengestellt. Daraus entsteht eine beeindruckende Dokumentation des Anschlags mit besonderem Augenmerk auf die juristische und öffentliche Verarbeitung sowie das Erleben der Betroffenen.

Herder Verlag, 2021

Mit Eichmann an der Börse:
In jüdischen und anderen Angelegenheiten

„Mit Eichmann an der Börse“ versammelt Geschichten, die mit fast selbstquälerischer Genauigkeit der Frage nachspüren, was es heißt, als nachgeborene Jüdin in Deutschland zu leben. In der Titelgeschichte ist von einem Kind zu lesen, dessen Mutter und ältere Schwester den Holocaust überlebt haben. Wäre vielleicht alles anders, wäre sie auch im Kleiderschrank versteckt gewesen?

In skurrilen, fast schon ironisch witzigen Beobachtungen sind in „Ein Tag. Und ein Tag“ das Lachen und die Verzweiflung einander unglaublich nahe. Eine Beerdigungsfeier wirkt beinahe heiter, wenn nicht mitten unter den Kaffeegästen zwischen Stasi und Nazi eine Menge Probleme auftauchten. Hackepeter, Eisbein und Fragen der jüdischen Identität kann Esther Dischereit in einem Bündel mühelos zusammenschnüren.

Ullstein Verlag, Berlin 2001

Übungen, jüdisch zu sein:
Aufsätze

Dabei geht es um die Annäherung an ein Jüdisch-Sein, dem die Normalität von Herkunft, Familie, Tradition und Glauben durch die Ermordung der Menschen im Genozid abhanden gekommen ist. Wie wird ein jüdisches Leben gelebt, in dem noch nicht einmal mehr die Melodien zu den Feiertagen mitgesummt werden können? Einige Beiträge thematisieren die Verknüpfungen der jüdischen Fragen mit dem Moralsystem der Menschenrechte: Wie ist die Bearbeitung der deutsch-deutschen Vergangenheit nach 1989 unter dem Gesichtspunkt der NS-Vergangenheit zu beurteilen?

Suhrkamp, 1998

„Sie wollte und konnte nie etwas Halbes tun.“

Rosi-Wolfstein-Gesellschaft e.V., 1995

Mama, darf ich
das Deutschlandlied singen

Jüdisch. Solidarisch. Antirassistisch. Esther Dischereits Texte sind Einmischungen in politische Angelegenheiten. Sie zeigt auf die nationalistischen Konstruktionen und die staatliche Gewalt, sie ist persönlich involviert und widerspricht.

Die Essays handeln von deutsch-jüdischen Zuständen, der Aktualität rassistischer Strukturen bei Behörden und anderen Institutionen, von Erfahrungen der neunziger Jahre zwischen Ost und West. Dischereits Texte sind Einmischungen in die politischen und moralischen Angelegenheiten der Gesellschaft und stellen sich der Frage, wie demokratische und solidarische Prozesse vorankommen können.

Dischereit äußert sich zu Flucht und Gewalt, zum Anschlag auf die Synagoge in Halle. Ihre Erfahrungen als Beobachterin des Untersuchungsausschusses des Deutschen Bundestags zur Untersuchung der Verbrechen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) prägen den Werkstattbericht über ihre literarische Arbeit zu diesem Thema. Die Autorin bezieht

Position zu Israel und Palästina. Der Essayband mit einem Vorwort von Aleida Assmann knüpft an die beiden Aufsatzbände Übungen jüdisch zu sein und Mit Eichmann an der Börse an.

Mandelbaum Verlag eG, 2020

Südkorea:
Kein Land für friedliche Spiele

ROWOHLT Taschenbuch, 1988

inamo 94

Zeitschrift, 2018

Vier Dischereit-Lieder

Ausschnitt von: Vier Dischereit-Lieder

Gabriel Iranyi, Text: Esther Dischereit
für Mezzosopran und Klavier, 2 Partituren

Verlag Neue Musik, Berlin, 2011

Contemporary Jewish
Writing in Germany:
An Anthology

Diese Anthologie präsentiert eine vielfältige und fesselnde Auswahl an Texten bedeutender jüdischer Autorinnen und Autoren im heutigen Deutschland. Die hier vertretenen Schriftstellerinnen und Schriftsteller – Katja Behrens, Maxim Biller, Esther Dischereit und Barbara Honigmann – haben den Holocaust nicht selbst erlebt, doch ihre Werke setzen sich immer wieder mit dessen Bedeutung auseinander, sowohl im Hinblick auf das Erinnern als auch auf das Vergessen in der heutigen deutschen Gesellschaft.

Aus unterschiedlichen Perspektiven bieten diese Autoren scharfsinnige Reflexionen über die deutsch-jüdischen Beziehungen der Gegenwart. Sie setzen sich insbesondere mit der Befremdung auseinander, in einem Land zu leben, in dem unbefangene Beziehungen zwischen Deutschen und Juden selten sind. In ihren Texten kommen auch die vielfältigen Grundlagen und Herausforderungen der modernen jüdischen Identität in Deutschland zur Sprache, darunter die Wandlungen der Geschlechterrollen sowie die Erfahrungen von Emigration, Generationenkonflikten und Sexualität.

„Contemporary Jewish Writing in Germany“ präsentiert nicht nur eine Reihe fesselnder Geschichten, sondern fördert auch ein tieferes Verständnis der Lebenswirklichkeit von Juden im heutigen Deutschland.

University of Nebraska Press, 2002

Esther Dischereit:
Contemporary German Writers

Esther Dischereit ist eine in Berlin lebende, jüdisch-deutsche Autorin, die seit den 1980er Jahren eine bedeutende literarische und kulturelle Rolle in Deutschland spielt.

Dieser Band untersucht anhand einer Reihe von wissenschaftlichen Artikeln in englischer und deutscher Sprache Dischereits Auseinandersetzung mit der weiblichen jüdisch-deutschen Identität in ihren zahlreichen Romanen, Gedichten, Theaterstücken und Essays sowie ihre Sicht auf ihre eigene, mitunter widersprüchliche Position als jüdisch-deutsche Schriftstellerin im heutigen Deutschland nach dem Holocaust.

Der Band enthält außerdem bisher unveröffentlichte Texte von Dischereit und ein ausführliches Interview mit der Autorin, das während ihres Aufenthalts als Writer-in-Residence am Zentrum für Zeitgenössische Deutsche Literatur der Swansea University im Juli und September 2003 geführt wurde.

Katharina Hall ist außerordentliche Professorin für Germanistik an der Swansea University und betreibt den internationalen Krimi-Blog „Mrs Peabody Investigates“.

University of Wales Press, 2007

NEW

Open Letter / Masha Gessen

Die Erinnerungspolitik in Deutschland ist ein Gedächtnistheater: die Verwirklichung einer moralisch-politischen Einheitsdoktrin mit Lust zum Affront.

Bergpfirsich
Flat Peach

In „Bergpfirsich / Flat Peach“ mäandert ein Ich mit Bergpfirsich und Portemonnaie in Response zu „Pulse“, dem Corpus, der weiß, mächtig, in Röhren und monströs liegt oder „pulst“ und sich einer konkreten Bestimmung als Objekt entzieht: Stoffplanen, industrielle Anmutung, Körperhaftes. „Bergpfirsich“ spricht mit diesem „Pulse“-Objekt in einem dafür erschaffenen Sprachfluss und führt beides zusammen. Sub- und Objekte vertauschen die Positionen und führen ein Eigenleben als Dinge. Das Ich verschwindet, die funktionale Bestimmtheit der Worte wie für „Tür“ und „Fenster“ ebenfalls, der Bergpfirsich und das Portemonnaie bleiben. Und das Geld einer Bäckerin.

In memoriam A.P.
Ein Gedicht von Esther Dischereit

An einem Ort der hellen Ruhe, wo es keine Tränen, Leiden und Schmerzen gibt

Du hast gelitten.
An einem Ort der Tränen, Leiden und des Schmerzes
Auf einem Marktplatz, gepflastert mit Steinen

Der Gott aller Seelen, der der ganzen Welt das Leben geschenkt

Du, oh guter, barmherziger Gott, vergib jede Sünde

Du hast nicht gesündigt
keine Sünde, derer du dich verantworten müßtest
Auf einem Marktplatz, gepflastert mit Steinen

Du hast gelegen
in Lachen deines Blutes, in Leiden und Schmerzen
Auf einem Marktplatz, gepflastert mit Steinen

Dann sind die Schreie verstummt
Montag, 02. Mai 2022

AP., geboren in Heidelberg
Nationalität: deutsch und kroatisch
gest. 02. Mai 2022
Alter: 47 Jahre
Beschäftigt: ATW, Arbeitstherapeutische Werkstätte, Mannheim
Todesursache: Ersticken und Blutung der oberen Atemwege,
verursacht durch Fremdeinwirkung
Ausgeübt mutmaßlich durch: L., Polizist; B., Polizist (beide Mannheim)
Ort: Marktplatz, Mannheim
Uhrzeit: ca. 12.15 Uhr
Zeug*innen: 70
Videos: 120
Passant*innen
Menschenmenge

Zeilen aus dem Gebet „Bože svih duša …“, das in der römisch-katholischen Kirche für die*den Verstorbenen gesprochen wird.

Wer war /
Who was
Fritz Kittel?

„Wer war Fritz Kittel?“ Diese Frage stellt die Schriftstellerin Esther Dischereit. Der Eisenbahner hatte ihre Mutter Hella und Schwester Hannelore Zacharias in der NS-Zeit versteckt. Durch Menschen wie ihn überlebten beide Jüdinnen den Holocaust. Er selbst hatte nach 1945 seiner Familie nie von seiner Tat berichtet.

Die Ausstellung lädt dazu ein, sich mit auf die Suche nach dem Geschehenen zu begeben. Sie benennt die Rolle der Deutschen Reichsbahn, der Arbeitgeberin von Fritz Kittel in der NS-Zeit, und fragt nach dem Schicksal jüdischer Eisenbahner. Die vorgestellten Dokumente, Objekte, Filme und Biografien korrespondieren mit den ausliegenden literarischen Miniaturen von Esther Dischereit.

Andere Hoffnungsschimmer?

Der Hamas-Angriff im Süden Israels, der Krieg gegen Gaza, das unsagbare menschliche Leid und das Ausmaß der Zerstörung, die tiefen gesellschaftlichen Spaltungen in Israel, Palästina und der arabischen Welt, die wachsende Kluft zwischen „Süd“ und „Nord“: diese Dimensionen der aktuellen Eskalation in Israel und Palästina haben in Deutschland auch in feministischen Kontexten bislang zu viel Sprachlosigkeit geführt. Welchen Beitrag zum Verstehen der aktuellen Gewaltverhältnisse können feministische Perspektiven leisten? Welche analytischen, gesellschafts- und kulturpolitischen Differenzierungen stünden dabei im Vordergrund? Auf welche Erfahrungen feministischer Praxis können Friedensperspektiven aufbauen? Welche Forderungen leiten sich daraus ab?

Imprint / Legal

Esther Dischereit
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